
Warsaw: Die Geschichte vom Anfang
von EWTN ist wirklich bemerkenswert. Man stelle sich eine 58-jährige
klausurierte Nonne in einem Kloster vor, ohne jegliche
Fernseherfahrung, die über kein technisch geschultes Personal
verfügt, eine Frau, die nur zweihundert Dollar auf ihrem Konto und
wenige Schafe und Ziegen auf dem Klostergrundstück hat, dafür aber
eine lange Liste gesundheitlicher Probleme mit sich herumträgt.
Einfach alles, was man sich da noch so vorstellen kann, spricht
gegen den Erfolg eines solchen Unterfangens.
Die meisten
Leute, die Mutter Angelica damals während der Anfänge des
Fernsehsenders kennen lernten, gaben dem Fernsehprojekt nicht einmal
sechs Monate. Sie dachten, dass es absolut lächerlich sei, dass
diese Klosterfrau versuchte, einen Fernsehsender aufzubauen. Das
Erstaunliche aber war, dass dies für Mutter Angelica nie lächerlich
zu sein schien. Denn sie war absolut davon überzeugt, dass dies die
Aufgabe war, die Gott ihr aufgetragen hatte. Und es gab nichts, was
sie hätte aufhalten können.
Mit zweihundert
Dollar also und ihrem Glauben begann sie das zu gründen, was heute,
25 Jahre später, der größte weltweite religiöse Sender ist. Das ist
eine sehr erstaunliche Geschichte, die man nur Gottes Vorsehung
zuschreiben kann. Mutter Angelica hat uns oft gesagt und uns daran
erinnert, dass solange wir nicht bereit sind, das zu tun was, in den
Augen der Welt lächerlich erscheint, Gott auch keine Wunder
vollbringen kann. Ich denke, das ist eine wunderbare Lehre für alle
von uns, an die wir immer denken sollten, egal was wir in unserem
Leben tun. Wenn wir nicht das tun, was in den Augen der Welt
lächerlich wirkt, dann hat Gott nicht die Möglichkeit, etwas
Wunderbares daraus zu machen. Wir müssen das tun, was Mutter
Angelica getan hat.
Wir müssen Ja
sagen, Ja zu dem, was in den Augen der Welt lächerlich ist. Wenn man
sich die Geschichte von EWTN anschaut und die vielen Menschenleben,
die dieser Sender berührt, und die Seelen, die er unzweifelhaft
gerettet hat, dann sehen wir, wie sehr Gott diesen Sender mit seinen
bescheidenen Anstrengungen, mit unseren bescheidenen Bemühungen,
genutzt hat, die Seelen der Menschen zu erreichen, um sie zu retten.
Frage: Was hat
Mutter Angelika eigentlich bewogen, einen Fernsehsender zu gründen?
Für eine kontemplative Nonne ist das ja keineswegs
selbstverständlich.
Warsaw: Mutter
Angelica erzählt immer gerne die Geschichte, wie alles begonnen
hatte: da gibt es meines Erachtens zwei Schlüsselereignisse, die zur
Entwicklung von EWTN entscheidend beigetragen haben. 1980 hielt
Mutter Angelica einen Vortrag in Chicago. Während sie in Chicago
war, brachte ein Freund sie zu einem Fernsehstudio. Sie war
überwältigt von der Macht des Fernsehens und der Möglichkeit, so
viele Menschen zu erreichen. Sie dachte an den Bibelunterricht, den
sie wöchentlich gab, und daran, dass dort vielleicht 10, 20 oder 100
Leute anwesend sein konnten.
Aber durch das
Fernsehen konnte eine nahezu unbegrenzte Zahl von Menschen erreicht
werden. Und als sie so da stand, die ganze Technologie bewunderte
und über die Möglichkeiten nachdachte, wie viele Menschen damit
erreicht werden könnten, hielt sie inne, schaute himmelwärts und
sagte: „Oh Lord, so etwas würde ich auch gerne haben!“ Seit jenem
Tag begann sie Fernsehen zu machen, mehr und mehr. Ein christlicher
Sender, der in den späten 70er Jahren in Amerika gegründet worden
war, bat Mutter Angelica, Programme für den Sender zu produzieren.
So schloss sie eine Produktionsvereinbarung mit diesem kommerziellen
Sender hier in Birmingham/Alabama und begann, Programme für diesen
christlichen Sender herzustellen.
Eines Tages, als
sie beim Sender war, um weitere Sendungen aufzunehmen, stellte sie
fest, dass der Sender einen Film ausstrahlen wollte, der sich „The
Word“ („Das Wort“) nannte und den sie für blasphemisch hielt. Da sie
Konfrontationen nicht scheute, ging sie zum Geschäftsführer des
Senders und fragte ihn, ob er diesen abstoßenden Film wirklich
senden wolle. Und wie in einer Szene aus einem Hollywood-Film sagte
der Manager: „Ja, natürlich werde ich den Film senden. Sie können
mir nicht sagen, was ich senden kann und was nicht! Ich brauche
keine Programmvorschläge von Ihnen!“ Mutter Angelica erwiderte: „Ich
sage Ihnen nicht, was sie auf Ihrem Sender senden können und was
nicht. Ich frage Sie nur, ob Sie beabsichtigen, diesen abscheulichen
Film zu senden.“ Der Manager erwiderte: „ Ja, ich werde diesen Film
ausstrahlen. Sie können mir nicht vorschreiben, was ich senden
soll.“ Sie sagte: „ Ich sage ihnen nicht, was sie senden sollen,
aber wenn Sie diesen Film ausstrahlen, dann werde ich meine
Programme nicht mehr bei Ihnen produzieren.“ Sie stand auf und
wollte gerade den Raum verlassen, als der Manager ihr wütend
hinterher schrie: „Wenn Sie hier weggehen, dann werden Sie nie
wieder im Fernsehen sein.“ Mutter Angelica drehte sich darauf hin
um, blickte ihn an und sagte: „Ich brauche Sie nicht. Alles was ich
brauche, ist Gott. Ich werde meine eigenen Sender bauen.“
Frage: Was
geschah dann?
Warsaw: Umgehend
kehrte sie in ihr Kloster in Irondale zurück und dachte bei sich:
„Herr, was habe ich da nur gemacht.“ Gerade waren Bauarbeiter damit
beschäftigt, eine neue Garage für das Kloster zu bauen. Mutter
Angelica ging zum Bauleiter hin und sagte zu ihm: „Nelson, ich weiß
nicht, was ich eben gemacht habe, aber Du musst mir ein
Fernsehstudio bauen.“ Der Bauleiter hielt einen Augenblick inne,
kratzte sich am Kopf, dachte eine Weile nach und sagte mit einem für
einen Südstaatler typischen Akzent: „Klar, Mutter, machen wir gerne.
Sagen Sie mir nur, was sie wollen.“
Und von diesem
Moment an, begann das Fernsehstudio zu wachsen. Bald hatte Mutter
Angelica ein Studio und zahlreiche Programme produziert. Schon bald
fragte sie sich, was sie mit den vielen Programmen machen sollte.
Wenig später stellte sie genau diese Frage in einem Gespräch: „Was
soll ich mit den Programmen machen?“ Einer der Anwesenden sagte ihr:
„Mutter, Sie müssen über Satellit senden.“ Und sie
antwortete:“Satellit, das hört sich nach einer guten Idee an. Was
ist das?“ Also erklärte ihr der Mann, was es mit der
Satelliten-Technologie auf sich hatte und wie man in den frühen 80er
Jahren begonnen habe, diese Technologie zu nutzen, um überall in der
Welt auch in die Kabelnetze hineinzukommen.
Mutter Angelica
hielt das für eine großartige Idee und beschloss, sich sofort an die
Arbeit zu machen. Sie holte sich Rat bei eben diesem Herrn und
fragte ihn: „Was muss ich tun, um auf den Satelliten zu kommen?“
Seine Antwort war knapp und klar: „Naja,Mutter, Sie brauchen eine
Satellitenschüssel, eine Sendelizenz und einen Anwalt.“ „Okay, und
was kommt zuerst?“, fragte sie, „Der Anwalt.“, war die eindeutige
Antwort. Da Mutter Angelica nicht wusste, an wen sie sich wenden
sollte, nahm sie sich ein Telefonbuch von Washington D.C., denn sie
dachte: „In D.C. muss es ja wohl einen Anwalt geben, der mir helfen
kann.“
Sie schlug das
Telefonbuch auf und ging die Namen durch. Da sie Italienerin war –
sie hieß Rita Rizzo, bevor sie in den Orden eingetreten war -
schaute sie die Liste der Anwälte durch und fand einen italienischen
Namen: Robert Corsini. Sie rief ihn an, ohne irgendetwas von ihm zu
wissen, und erklärte ihm, dass sie Mutter Angelica sei, eine
Klausurschwester aus Birmingham in Alabama, dass sie einen
Satelliten-Fernsehsender gründen wolle und einen Anwalt bräuchte und
fragte ihn sogleich, ob er ihr helfen wolle. Natürlich herrschte am
anderen Ende der Leitung erstmal Schweigen.
Herr Corsini
sagte nach einer Weile zu ihr: „Meinen Sie das wirklich ernst?“ Sie
antwortete: „Ja, ich meine das absolut ernst. Können sie mir dabei
helfen?“ Corsini dachte einen Moment nach und sagte dann: „Na gut,
Mutter, wenn Sie das ernst meinen. Ich kann Ihnen dabei helfen. Aber
eine Sache muss zwischen uns klar sein: wenn wir einmal angefangen
haben, können wir nicht mehr zurück.“ Also reichte Corsini, der sich
zur gleichen Zeit noch um einen anderen Klienten namens Ted Turner
(Gründer von CNN??? ) kümmerte, den Antrag für die Genehmigung für
eine Satellitenfernseh-Lizenz bei der US-Regierung ein.
Dies war der
erste Antrag für ein Satellitenfernseh-Lizenz, der je von einer
Ordensperson in Amerika gestellt wurde. Ich habe oft lachen müssen,
wenn ich mir vorstelle, was sich die Anwälte der Genehmigungsbehörde
gedacht haben müssen, als sie diesen Antrag von Mutter Angelica und
den Schwestern des Ordens gesehen haben. Aber für Mutter Angelica
war das Ganze nicht lächerlich. Es war ihr ernst und es war etwas,
von dem sie erkannte hatte, dass sie es tun musste, weil Gott es so
von ihr wollte. Sie bekam schließlich ihre Sendelizenz.
Frage: Von der
Sendelizenz zu einem Fernsehsender ist aber noch ein großer Schritt.
Sie brauchte ja noch die Satellitenschüssel.
Warsaw: Natürlich
hatte Mutter Angelica nicht das Geld parat, das sie für eine
Satellitenschüssel benötigte, aber Gott half ihr immer wieder. Er
hat immer dafür gesorgt, dass die Menschen und auch die Mittel da
waren, wenn sie gebraucht wurden. Mutter Angelica richtete also ihre
ganze Aufmerksamkeit auf die Satellitenschüssel und wandte sich an
RCA, einen damaligen Ausrüster von Satellitenanlagen. Sie wählte die
für ihre Zwecke notwendige Satellitenanlage aus und fragte nach dem
Preis. Es waren 600.000 Dollar. Sie hatte natürlich keine
Möglichkeit, die 600.000 Dollar zu zahlen.
Aber sie nutzte
wieder einmal ihre italienische Herkunft und wandte sich an den
stellvertretenden Leiter des Unternehmens, der Italiener war und
einer Nonne nichts abschlagen konnte. So konnte sie ihn überzeugen,
die Geräte ohne Anzahlung zu bestellen. Sie würde bezahlen, sobald
das Material geliefert würde. So vergingen Monate und sie machte
sich immer mehr Sorgen, wie sie an das Geld kommen sollte. Der Tag
kam, als sie einen Anruf erhielt. Der Transporter sei jetzt
unterwegs und sie solle jetzt beim Empfang der Ware die 600.000
Dollar zahlen. Es waren aber weit und breit keine 600.000 Dollar in
Sicht., mit denen Sie die Rechnung hätte begleichen können.
Trotzdem sagte
sie zu. Der Transporter solle kommen. Als er auf das Gelände fuhr,
fragte der Fahrer sie, wo er die Dinge abladen solle. Sie sagte:
„Ich bin gleich wieder da.“ Sie ging in die Kapelle, kniete sich
nieder und begann zu beten: „Herr, diesmal habe ich wirklich Mist
gebaut. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Du musst mir helfen,
Herr. Gibt es etwas, was Du tun kannst?“ Sie wartete, als ob sie
hoffen würde, dass 600.000 Dollar einfach so vom Himmel fallen
würden. Nichts passierte und sie sagte: „Okay, Herr, ich verstehe
das. Wenn es nicht dein Wille ist, dass es passiert, dann geht das
in Ordnung.“
Sie verließ die
Kapelle und wollte zum Fahrer gehen, um ihm mitzuteilen, dass sie
das Geld nicht habe und dass er alles wieder mitnehmen müsse. Als
sie zur Tür hinausgehen wollte, kam eine der Schwestern auf sie zu
und sagte: „Mutter, da ist ein Anruf für Sie. Bitte nehmen Sie den
Anruf an. Er ist dringend.“ Mutter Angelica wehrte ab: „Schwester,
ich muss da jetzt raus. Ich kann jetzt wirklich nicht mit dieser
Person sprechen.“ Sie war gerade zur Tür heraus, als sie zu ihrer
Mitschwester sagte: „Nein, ich nehme den Anruf an.“
Sie drehte sich
um, ging wieder ins Klostergebäude hinein und nahm den Anrufen
entgegen. Es war ein Herr, der auf seiner Yacht in der Karibik saß
und dessen Sohn schwer drogenabhängig war. Diesem Herrn war
irgendwie eines von Mutter Angelicas kleinen Büchern in die Hände
geraten. Dieses Buch hatte ihn sehr berührt und ihm geholfen, mit
der Situation des Sohnes umzugehen. Und dieser Mann, der sehr
wohlhabend war, sagte zu Mutter Angelica: „Ich habe gehört, dass sie
daran interessiert sind, ein Fernsehprojekt oder so etwas Ähnliches
zu starten. Ich möchte Ihnen dabei helfen. Ich möchte ihnen 600.000
Dollar schicken.“
Mutter Angelica
konnte es nicht fassen, gewann aber ihre Fassung schnell wieder und
sagte: „Meinen Sie, Sie könnten das Geld heute noch schicken?“ Und,
wie man so schön sagt, der Rest ist Geschichte. Dieser Mann schickte
ihr tatsächlich das Geld, sie konnte den Scheck schreiben, die
Ausrüstung bezahlen, und die Antenne konnte installiert werden. Es
ist dieselbe Antenne, die auch heute noch die Sendungen in die
Vereinigten Staaten ausstrahlt. Diese Begebenheit ist nur eines von
vielen ähnlichen Ereignissen, die es von den 25 Jahren EWTN zu
berichten gibt und die immer wieder zeigen, wie Gott in dieses
Apostolat eingreift.
Mutter Angelica
sagt selbst immer wieder - und ich denke es muss immer wieder gesagt
werden -, dass das Vermächtnis von EWTN nicht allein die
Fernsehkanäle, die Satelliten-Antennen, die Studios oder die
Millionen von Haushalten, die EWTN weltweit erreicht. Das
Vermächtnis von EWTN ist letztlich nicht, was EWTN gemacht hat,
sondern wie EWTN das alles gemacht hat, nämlich immer mit dem
absoluten Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Damit hat Mutter
Angelica vor 25 Jahren angefangen und auf diesem Weg befindet sich
EWTN auch heute noch. Um das Evangelium zu verkünden, sind wir ganz
abhängig von unserem Herrn und seiner Gnade.
Information:
EWTN ist der weltweit größte katholische Fernsehsender und erreicht
derzeit mehr als 125 Millionen Haushalte in 127 Ländern in allen
Teilen der Welt. Am 15. August 1981 wurde EWTN von der
Franziskaner-Klarissin Mutter Angelica gegründet. 1992 folgte das
Radio, 1996 kam ein reichhaltiges Angebot an Online-Diensten hinzu.
EWTN sendet rund
um die Uhr je nach Kultur und Sprache unterschiedliche Programme in
die verschieden Regionen der Welt. Neben 24 Stunden-Programmen in
englischer und spanischer Sprache bietet EWTN in Europa seit dem
Jahr 2000 täglich auch Programme in deutscher Sprache an und baut
sein deutsches Programm stetig aus.
Das Programm von
EWTN kann digital über den EUTELSAT–Satelliten Hotbird 6 (13° Ost),
Frequenz 11585 MHz (vertikal), frei empfangen werden. Ebenso über
Kabel im modernisierten digitalen Netz von Kabel Baden-Württemberg
und im Multikabel von NetCologne. Weitere Informationen zum
deutschsprachigen Fernsehprogramm erhält man bei der Geschäftsstelle
der EWTN-TV GmbH in Bonn (ewtn@ewtn.de, Tel. 0228/934941-60, Fax
0228/934941-65, An der Nesselburg 4, 53179 Bonn) oder im Internet
(www.ewtn.de).)
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