Auszug aus einem Interview mit Michael Warsaw,

Präsident des weltweiten katholischen Fernsehsenders EWTN,

der am 15. August 1981 von der Franziskaner-Klarissin Mutter Angelica gegründet wurde.


 

Warsaw: Die Geschichte vom Anfang von EWTN ist wirklich bemerkenswert. Man stelle sich eine 58-jährige klausurierte Nonne in einem Kloster vor, ohne jegliche Fernseherfahrung, die über kein technisch geschultes Personal verfügt, eine Frau, die nur zweihundert Dollar auf ihrem Konto und wenige Schafe und Ziegen auf dem Klostergrundstück hat, dafür aber eine lange Liste gesundheitlicher Probleme mit sich herumträgt. Einfach alles, was man sich da noch so vorstellen kann, spricht gegen den Erfolg eines solchen Unterfangens.

Die meisten Leute, die Mutter Angelica damals während der Anfänge des Fernsehsenders kennen lernten, gaben dem Fernsehprojekt nicht einmal sechs Monate. Sie dachten, dass es absolut lächerlich sei, dass diese Klosterfrau versuchte, einen Fernsehsender aufzubauen. Das Erstaunliche aber war, dass dies für Mutter Angelica nie lächerlich zu sein schien. Denn sie war absolut davon überzeugt, dass dies die Aufgabe war, die Gott ihr aufgetragen hatte. Und es gab nichts, was sie hätte aufhalten können.

Mit zweihundert Dollar also und ihrem Glauben begann sie das zu gründen, was heute, 25 Jahre später, der größte weltweite religiöse Sender ist. Das ist eine sehr erstaunliche Geschichte, die man nur Gottes Vorsehung zuschreiben kann. Mutter Angelica hat uns oft gesagt und uns daran erinnert, dass solange wir nicht bereit sind, das zu tun was, in den Augen der Welt lächerlich erscheint, Gott auch keine Wunder vollbringen kann. Ich denke, das ist eine wunderbare Lehre für alle von uns, an die wir immer denken sollten, egal was wir in unserem Leben tun. Wenn wir nicht das tun, was in den Augen der Welt lächerlich wirkt, dann hat Gott nicht die Möglichkeit, etwas Wunderbares daraus zu machen. Wir müssen das tun, was Mutter Angelica getan hat.

Wir müssen Ja sagen, Ja zu dem, was in den Augen der Welt lächerlich ist. Wenn man sich die Geschichte von EWTN anschaut und die vielen Menschenleben, die dieser Sender berührt, und die Seelen, die er unzweifelhaft gerettet hat, dann sehen wir, wie sehr Gott diesen Sender mit seinen bescheidenen Anstrengungen, mit unseren bescheidenen Bemühungen, genutzt hat, die Seelen der Menschen zu erreichen, um sie zu retten.

Frage: Was hat Mutter Angelika eigentlich bewogen, einen Fernsehsender zu gründen? Für eine kontemplative Nonne ist das ja keineswegs selbstverständlich.

Warsaw: Mutter Angelica erzählt immer gerne die Geschichte, wie alles begonnen hatte: da gibt es meines Erachtens zwei Schlüsselereignisse, die zur Entwicklung von EWTN entscheidend beigetragen haben. 1980 hielt Mutter Angelica einen Vortrag in Chicago. Während sie in Chicago war, brachte ein Freund sie zu einem Fernsehstudio. Sie war überwältigt von der Macht des Fernsehens und der Möglichkeit, so viele Menschen zu erreichen. Sie dachte an den Bibelunterricht, den sie wöchentlich gab, und daran, dass dort vielleicht 10, 20 oder 100 Leute anwesend sein konnten.

Aber durch das Fernsehen konnte eine nahezu unbegrenzte Zahl von Menschen erreicht werden. Und als sie so da stand, die ganze Technologie bewunderte und über die Möglichkeiten nachdachte, wie viele Menschen damit erreicht werden könnten, hielt sie inne, schaute himmelwärts und sagte: „Oh Lord, so etwas würde ich auch gerne haben!“ Seit jenem Tag begann sie Fernsehen zu machen, mehr und mehr. Ein christlicher Sender, der in den späten 70er Jahren in Amerika gegründet worden war, bat Mutter Angelica, Programme für den Sender zu produzieren. So schloss sie eine Produktionsvereinbarung mit diesem kommerziellen Sender hier in Birmingham/Alabama und begann, Programme für diesen christlichen Sender herzustellen.

Eines Tages, als sie beim Sender war, um weitere Sendungen aufzunehmen, stellte sie fest, dass der Sender einen Film ausstrahlen wollte, der sich „The Word“ („Das Wort“) nannte und den sie für blasphemisch hielt. Da sie Konfrontationen nicht scheute, ging sie zum Geschäftsführer des Senders und fragte ihn, ob er diesen abstoßenden Film wirklich senden wolle. Und wie in einer Szene aus einem Hollywood-Film sagte der Manager: „Ja, natürlich werde ich den Film senden. Sie können mir nicht sagen, was ich senden kann und was nicht! Ich brauche keine Programmvorschläge von Ihnen!“ Mutter Angelica erwiderte: „Ich sage Ihnen nicht, was sie auf Ihrem Sender senden können und was nicht. Ich frage Sie nur, ob Sie beabsichtigen, diesen abscheulichen Film zu senden.“ Der Manager erwiderte: „ Ja, ich werde diesen Film ausstrahlen. Sie können mir nicht vorschreiben, was ich senden soll.“ Sie sagte: „ Ich sage ihnen nicht, was sie senden sollen, aber wenn Sie diesen Film ausstrahlen, dann werde ich meine Programme nicht mehr bei Ihnen produzieren.“ Sie stand auf und wollte gerade den Raum verlassen, als der Manager ihr wütend hinterher schrie: „Wenn Sie hier weggehen, dann werden Sie nie wieder im Fernsehen sein.“ Mutter Angelica drehte sich darauf hin um, blickte ihn an und sagte: „Ich brauche Sie nicht. Alles was ich brauche, ist Gott. Ich werde meine eigenen Sender bauen.“

Frage: Was geschah dann?

Warsaw: Umgehend kehrte sie in ihr Kloster in Irondale zurück und dachte bei sich: „Herr, was habe ich da nur gemacht.“ Gerade waren Bauarbeiter damit beschäftigt, eine neue Garage für das Kloster zu bauen. Mutter Angelica ging zum Bauleiter hin und sagte zu ihm: „Nelson, ich weiß nicht, was ich eben gemacht habe, aber Du musst mir ein Fernsehstudio bauen.“ Der Bauleiter hielt einen Augenblick inne, kratzte sich am Kopf, dachte eine Weile nach und sagte mit einem für einen Südstaatler typischen Akzent: „Klar, Mutter, machen wir gerne. Sagen Sie mir nur, was sie wollen.“

Und von diesem Moment an, begann das Fernsehstudio zu wachsen. Bald hatte Mutter Angelica ein Studio und zahlreiche Programme produziert. Schon bald fragte sie sich, was sie mit den vielen Programmen machen sollte. Wenig später stellte sie genau diese Frage in einem Gespräch: „Was soll ich mit den Programmen machen?“ Einer der Anwesenden sagte ihr: „Mutter, Sie müssen über Satellit senden.“ Und sie antwortete:“Satellit, das hört sich nach einer guten Idee an. Was ist das?“ Also erklärte ihr der Mann, was es mit der Satelliten-Technologie auf sich hatte und wie man in den frühen 80er Jahren begonnen habe, diese Technologie zu nutzen, um überall in der Welt auch in die Kabelnetze hineinzukommen.

Mutter Angelica hielt das für eine großartige Idee und beschloss, sich sofort an die Arbeit zu machen. Sie holte sich Rat bei eben diesem Herrn und fragte ihn: „Was muss ich tun, um auf den Satelliten zu kommen?“ Seine Antwort war knapp und klar: „Naja,Mutter, Sie brauchen eine Satellitenschüssel, eine Sendelizenz und einen Anwalt.“ „Okay, und was kommt zuerst?“, fragte sie, „Der Anwalt.“, war die eindeutige Antwort. Da Mutter Angelica nicht wusste, an wen sie sich wenden sollte, nahm sie sich ein Telefonbuch von Washington D.C., denn sie dachte: „In D.C. muss es ja wohl einen Anwalt geben, der mir helfen kann.“

Sie schlug das Telefonbuch auf und ging die Namen durch. Da sie Italienerin war – sie hieß Rita Rizzo, bevor sie in den Orden eingetreten war - schaute sie die Liste der Anwälte durch und fand einen italienischen Namen: Robert Corsini. Sie rief ihn an, ohne irgendetwas von ihm zu wissen, und erklärte ihm, dass sie Mutter Angelica sei, eine Klausurschwester aus Birmingham in Alabama, dass sie einen Satelliten-Fernsehsender gründen wolle und einen Anwalt bräuchte und fragte ihn sogleich, ob er ihr helfen wolle. Natürlich herrschte am anderen Ende der Leitung erstmal Schweigen.

Herr Corsini sagte nach einer Weile zu ihr: „Meinen Sie das wirklich ernst?“ Sie antwortete: „Ja, ich meine das absolut ernst. Können sie mir dabei helfen?“ Corsini dachte einen Moment nach und sagte dann: „Na gut, Mutter, wenn Sie das ernst meinen. Ich kann Ihnen dabei helfen. Aber eine Sache muss zwischen uns klar sein: wenn wir einmal angefangen haben, können wir nicht mehr zurück.“ Also reichte Corsini, der sich zur gleichen Zeit noch um einen anderen Klienten namens Ted Turner (Gründer von CNN??? ) kümmerte, den Antrag für die Genehmigung für eine Satellitenfernseh-Lizenz bei der US-Regierung ein.

Dies war der erste Antrag für ein Satellitenfernseh-Lizenz, der je von einer Ordensperson in Amerika gestellt wurde. Ich habe oft lachen müssen, wenn ich mir vorstelle, was sich die Anwälte der Genehmigungsbehörde gedacht haben müssen, als sie diesen Antrag von Mutter Angelica und den Schwestern des Ordens gesehen haben. Aber für Mutter Angelica war das Ganze nicht lächerlich. Es war ihr ernst und es war etwas, von dem sie erkannte hatte, dass sie es tun musste, weil Gott es so von ihr wollte. Sie bekam schließlich ihre Sendelizenz.

Frage: Von der Sendelizenz zu einem Fernsehsender ist aber noch ein großer Schritt. Sie brauchte ja noch die Satellitenschüssel.

Warsaw: Natürlich hatte Mutter Angelica nicht das Geld parat, das sie für eine Satellitenschüssel benötigte, aber Gott half ihr immer wieder. Er hat immer dafür gesorgt, dass die Menschen und auch die Mittel da waren, wenn sie gebraucht wurden. Mutter Angelica richtete also ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Satellitenschüssel und wandte sich an RCA, einen damaligen Ausrüster von Satellitenanlagen. Sie wählte die für ihre Zwecke notwendige Satellitenanlage aus und fragte nach dem Preis. Es waren 600.000 Dollar. Sie hatte natürlich keine Möglichkeit, die 600.000 Dollar zu zahlen.

Aber sie nutzte wieder einmal ihre italienische Herkunft und wandte sich an den stellvertretenden Leiter des Unternehmens, der Italiener war und einer Nonne nichts abschlagen konnte. So konnte sie ihn überzeugen, die Geräte ohne Anzahlung zu bestellen. Sie würde bezahlen, sobald das Material geliefert würde. So vergingen Monate und sie machte sich immer mehr Sorgen, wie sie an das Geld kommen sollte. Der Tag kam, als sie einen Anruf erhielt. Der Transporter sei jetzt unterwegs und sie solle jetzt beim Empfang der Ware die 600.000 Dollar zahlen. Es waren aber weit und breit keine 600.000 Dollar in Sicht., mit denen Sie die Rechnung hätte begleichen können.

Trotzdem sagte sie zu. Der Transporter solle kommen. Als er auf das Gelände fuhr, fragte der Fahrer sie, wo er die Dinge abladen solle. Sie sagte: „Ich bin gleich wieder da.“ Sie ging in die Kapelle, kniete sich nieder und begann zu beten: „Herr, diesmal habe ich wirklich Mist gebaut. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Du musst mir helfen, Herr. Gibt es etwas, was Du tun kannst?“ Sie wartete, als ob sie hoffen würde, dass 600.000 Dollar einfach so vom Himmel fallen würden. Nichts passierte und sie sagte: „Okay, Herr, ich verstehe das. Wenn es nicht dein Wille ist, dass es passiert, dann geht das in Ordnung.“

Sie verließ die Kapelle und wollte zum Fahrer gehen, um ihm mitzuteilen, dass sie das Geld nicht habe und dass er alles wieder mitnehmen müsse. Als sie zur Tür hinausgehen wollte, kam eine der Schwestern auf sie zu und sagte: „Mutter, da ist ein Anruf für Sie. Bitte nehmen Sie den Anruf an. Er ist dringend.“ Mutter Angelica wehrte ab: „Schwester, ich muss da jetzt raus. Ich kann jetzt wirklich nicht mit dieser Person sprechen.“ Sie war gerade zur Tür heraus, als sie zu ihrer Mitschwester sagte: „Nein, ich nehme den Anruf an.“

Sie drehte sich um, ging wieder ins Klostergebäude hinein und nahm den Anrufen entgegen. Es war ein Herr, der auf seiner Yacht in der Karibik saß und dessen Sohn schwer drogenabhängig war. Diesem Herrn war irgendwie eines von Mutter Angelicas kleinen Büchern in die Hände geraten. Dieses Buch hatte ihn sehr berührt und ihm geholfen, mit der Situation des Sohnes umzugehen. Und dieser Mann, der sehr wohlhabend war, sagte zu Mutter Angelica: „Ich habe gehört, dass sie daran interessiert sind, ein Fernsehprojekt oder so etwas Ähnliches zu starten. Ich möchte Ihnen dabei helfen. Ich möchte ihnen 600.000 Dollar schicken.“

Mutter Angelica konnte es nicht fassen, gewann aber ihre Fassung schnell wieder und sagte: „Meinen Sie, Sie könnten das Geld heute noch schicken?“ Und, wie man so schön sagt, der Rest ist Geschichte. Dieser Mann schickte ihr tatsächlich das Geld, sie konnte den Scheck schreiben, die Ausrüstung bezahlen, und die Antenne konnte installiert werden. Es ist dieselbe Antenne, die auch heute noch die Sendungen in die Vereinigten Staaten ausstrahlt. Diese Begebenheit ist nur eines von vielen ähnlichen Ereignissen, die es von den 25 Jahren EWTN zu berichten gibt und die immer wieder zeigen, wie Gott in dieses Apostolat eingreift.

Mutter Angelica sagt selbst immer wieder - und ich denke es muss immer wieder gesagt werden -, dass das Vermächtnis von EWTN nicht allein die Fernsehkanäle, die Satelliten-Antennen, die Studios oder die Millionen von Haushalten, die EWTN weltweit erreicht. Das Vermächtnis von EWTN ist letztlich nicht, was EWTN gemacht hat, sondern wie EWTN das alles gemacht hat, nämlich immer mit dem absoluten Vertrauen auf die Vorsehung Gottes. Damit hat Mutter Angelica vor 25 Jahren angefangen und auf diesem Weg befindet sich EWTN auch heute noch. Um das Evangelium zu verkünden, sind wir ganz abhängig von unserem Herrn und seiner Gnade.

Information: EWTN ist der weltweit größte katholische Fernsehsender und erreicht derzeit mehr als 125 Millionen Haushalte in 127 Ländern in allen Teilen der Welt. Am 15. August 1981 wurde EWTN von der Franziskaner-Klarissin Mutter Angelica gegründet. 1992 folgte das Radio, 1996 kam ein reichhaltiges Angebot an Online-Diensten hinzu.

EWTN sendet rund um die Uhr je nach Kultur und Sprache unterschiedliche Programme in die verschieden Regionen der Welt. Neben 24 Stunden-Programmen in englischer und spanischer Sprache bietet EWTN in Europa seit dem Jahr 2000 täglich auch Programme in deutscher Sprache an und baut sein deutsches Programm stetig aus.

Das Programm von EWTN kann digital über den EUTELSAT–Satelliten Hotbird 6 (13° Ost), Frequenz 11585 MHz (vertikal), frei empfangen werden. Ebenso über Kabel im modernisierten digitalen Netz von Kabel Baden-Württemberg und im Multikabel von NetCologne. Weitere Informationen zum deutschsprachigen Fernsehprogramm erhält man bei der Geschäftsstelle der EWTN-TV GmbH in Bonn (ewtn@ewtn.de, Tel. 0228/934941-60, Fax 0228/934941-65, An der Nesselburg 4, 53179 Bonn) oder im Internet (www.ewtn.de).)